Bildschirmzeit ohne Streit: Regeln, die Kinder mittragen
Das Tablet auszuschalten ist oft der schwierigste Moment des Tages. Welche Zeiten Fachleute empfehlen und wie Regeln entstehen, die dein Kind mitträgt.

Stell dir einen Sonntagnachmittag vor, kurz vor fünf. „Noch eine Folge“, sagt deine Tochter, ohne vom Tablet aufzusehen. Es ist die dritte „letzte Folge“.
Du nimmst ihr das Gerät aus der Hand, sie weint, die Kinderzimmertür knallt. Und du fragst dich, wie ein entspannter Sonntag so schnell zum Machtkampf werden konnte.
Das Wichtigste in Kürze
- Die deutsche medizinische Leitlinie zum Thema empfiehlt: unter 3 Jahren keine Bildschirmmedien, mit 3 bis 6 Jahren höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen, mit 6 bis 9 Jahren höchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen und mit 9 bis 12 Jahren höchstens 45 bis 60 Minuten täglich in der Freizeit.
- Regeln zur Nutzungsdauer sollten Eltern und Kinder gemeinsam schriftlich vereinbaren, zum Beispiel in einem Mediennutzungsvertrag.
- Feste Zeitfenster, eine sichtbare Uhr und eine Ankündigung vor dem Ende machen das Ausschalten leichter.
- Beim Essen und etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen bleiben Bildschirme am besten aus.
- Die Leitlinie rät, Bildschirmmedien nicht zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung einzusetzen.
Wie viel Bildschirmzeit ist für Kinder okay?
Mit Bildschirmzeit ist die Zeit an Fernseher, Tablet, Smartphone, Computer oder Spielkonsole gemeint. Orientierung gibt die medizinische Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs, federführend erarbeitet von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und unter anderem mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie gilt aktuell bis 2028.
| Alter | Empfehlung der Leitlinie |
|---|---|
| unter 3 Jahren | keine Bildschirmmedien |
| 3 bis 6 Jahre | höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen, nicht ohne Eltern |
| 6 bis 9 Jahre | höchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen in der Freizeit |
| 9 bis 12 Jahre | höchstens 45 bis 60 Minuten täglich in der Freizeit |
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt sehr ähnliche Werte. Wichtig: Das sind Obergrenzen, keine Tagesration, die aufgebraucht werden muss. „An einzelnen Tagen“ heißt zudem, dass es Bildschirmzeit nicht jeden Tag geben muss.
Wie vereinbart man Regeln, die Kinder mittragen?
Gemeinsam und schriftlich. Genau das empfiehlt die Leitlinie: Regeln zur Nutzungsdauer gemeinsam schriftlich festhalten und gemeinsam umsetzen. Eine Regel, an der dein Kind mitgeschrieben hat, ist eben auch ein bisschen seine Regel.
Feste Zeitfenster. Der Elternratgeber SCHAU HIN! schlägt feste Abläufe vor, etwa erst nach den Hausaufgaben und nur bis zum Abendessen. Wer weiß, wann es wieder so weit ist, muss nicht jeden Tag neu fragen.
Das Ende sichtbar machen. SCHAU HIN! nennt dafür Klassiker wie die Eieruhr neben dem Bildschirm. Kündige das Ende ein paar Minuten vorher an und sucht gemeinsam einen guten Schlusspunkt, etwa das Ende der Folge.
Bildschirmfreie Zeiten. Das BIÖG empfiehlt, dass beim Essen alle Bildschirme Pause haben und möglichst eine Stunde vor dem Schlafengehen abgeschaltet wird. Das gilt dann auch für das Handy der Erwachsenen am Tisch.
Wochenbudget für Größere. Ältere Kinder können eine feste Zeit über die Woche verteilen, oder es gibt „Gutscheine“ für Mediennutzung, die sie frei einsetzen. Beides nennt das BIÖG als Möglichkeit.
Vorbild und Technik. Die Leitlinie erinnert Eltern an ihre eigene Vorbildrolle. Außerdem empfiehlt sie, technische Zugangssicherungen zu kennen und einzusetzen, die das Gespräch über Regeln aber nicht ersetzen.
Eine Regel, die vor dem Einschalten feststeht, muss beim Ausschalten nicht mehr verhandelt werden.
Was hilft, wenn es beim Ausschalten kracht?
Auch mit guten Absprachen wird es Tage geben, an denen das Ende Tränen kostet. Das heißt nicht, dass die Regeln nichts taugen.
- Gefühle zulassen, Regel halten. „Ich sehe, du wärst gern noch weitergekommen. Die Zeit ist trotzdem um.“ Enttäuschung ist kein Grund, die Absprache aufzuweichen, und auch keiner für eine Strafe.
- Einen Übergang anbieten. Leichter fällt der Wechsel, wenn schon klar ist, was als Nächstes kommt: ein Snack, eine Runde mit dem Ball, das Hörspiel beim Aufräumen.
- Später nachbessern. Kracht es immer an derselben Stelle, sprecht nach ein, zwei Wochen in Ruhe darüber. Regeln dürfen mitwachsen.

Sollte Bildschirmzeit eine Belohnung sein?
Die Leitlinie rät, Bildschirmmedien nicht zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung einzusetzen. Klare Regeln und Obergrenzen nach Alter empfiehlt sie dagegen ausdrücklich. Im Alltag heißt das, zwei Dinge zu trennen:
- Grundzeit: Die vereinbarte Zeit pro Tag gibt es ohne Gegenleistung. Sie ist kein Lohn und wird nicht zur Strafe gestrichen.
- Extra-Zeit: Wer zusätzlich mit Sternen arbeiten möchte, legt den Rahmen vorher fest – mit einer Obergrenze, die zur Altersempfehlung passt, und einem festen Tausch statt spontaner Zugeständnisse.
So weiß dein Kind vorher, woran es ist, und das Ende muss nicht jeden Tag neu verhandelt werden. Ob Extra-Zeit gegen Sterne zu eurer Familie passt, entscheidet ihr. Wie Belohnungen motivieren, ohne zu schaden, liest du im Beitrag Belohnungssystem für Kinder.
Wie Fleißstern das Ende entspannter machen kann
Mit „Sterne gegen Bildschirmzeit“, einer Funktion von Premium, legt ihr fest, welche Apps auf dem iPhone, iPad oder Android-Handy eures Kindes Sterne kosten, zum Beispiel Spiele oder Videos. Wie viele Minuten ein Stern bringt, wie viel Zeit es am Tag ohne Sterne gibt und wie viel höchstens, bestimmt ihr. So könnt ihr die vereinbarte Grundzeit als Zeit ohne Sterne eintragen und die Obergrenze an der Altersempfehlung ausrichten.
Gezählt wird nur, solange eine der Apps wirklich läuft. Ist die Zeit um, sperrt Fleißstern die ausgewählten Apps wieder, und das Ende muss nicht jedes Mal neu verhandelt werden.
Häufige Fragen
Wie viel Bildschirmzeit am Tag ist für ein Grundschulkind in Ordnung?
Die deutsche Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs empfiehlt für Kinder von 6 bis 9 Jahren höchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen in der Freizeit. Für Kinder von 9 bis 12 Jahren nennt sie höchstens 45 bis 60 Minuten täglich. Zeit für Schule und Hausaufgaben ist damit nicht gemeint.
Ab wann dürfen Kinder ein Tablet nutzen?
Die Leitlinie rät, Kinder unter drei Jahren ganz von Bildschirmmedien fernzuhalten. Zwischen drei und sechs Jahren sollten es höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen sein, und nur, wenn Eltern dabei sind. Eine eigene Spielkonsole sollten Kinder unter neun Jahren laut Leitlinie nicht haben.
Wie kann ich die Bildschirmzeit meines Kindes begrenzen?
Hilfreich ist eine Kombination aus gemeinsamen Regeln und technischen Einstellungen. Auf iPhone und iPad gibt es dafür die Funktion „Bildschirmzeit“ mit der Familienfreigabe, auf Android-Geräten Google Family Link. Die medizinische Leitlinie empfiehlt Eltern ausdrücklich, solche Zugangssicherungen zu kennen und einzusetzen.
Was ist ein Mediennutzungsvertrag?
Ein Mediennutzungsvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Eltern und Kind über Medienzeiten und Regeln. Unter mediennutzungsvertrag.de bieten klicksafe und der Verein Internet-ABC ein Online-Werkzeug an, mit dem Familien vorformulierte Regeln auswählen, anpassen und ausdrucken können.
Quellen
- S2k-Leitlinie Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend (AWMF-Register 027-075), gültig bis 14.07.2028 – AWMF, federführend: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
- Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick – medienleitlinie.de (Online-Fassung der Leitlinie)
- Empfehlungen (u. a. Nr. 8, 10, 13 und 30) – medienleitlinie.de
- Tabelle: Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen? – kindergesundheit-info.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
- Medienzeiten: Feste Bildschirmzeiten für Kinder vereinbaren – SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht
- Mediennutzungsvertrag – klicksafe und Internet-ABC e. V.
- Konfigurieren der Kindersicherung mit der Familienfreigabe auf dem iPhone – Apple Support
- Bildschirmzeit für das Gerät Ihres Kindes verwalten – Google für Familien-Hilfe (Family Link)