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Kinder-App ohne Werbung: Woran du eine gute erkennst

„Kostenlos“ heißt oft: Dein Kind ist das Produkt. Es gibt klare Regeln dafür, was in Kinder-Apps erlaubt ist – und ein paar Minuten, mit denen du das selbst prüfst.

· 6 Min. Lesezeit

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Stell dir vor, deine Tochter spielt zehn Minuten, und dreimal schiebt sich ein Fenster über den Bildschirm: ein Video, das man nicht wegklicken kann, danach ein Angebot für ein Paket mit Edelsteinen. Sie fragt dich, ob sie das kaufen darf. Du hattest die App als Lernspiel heruntergeladen.

Das ist kein Unfall, sondern ein Geschäftsmodell. Die gute Nachricht: Man erkennt es vorher.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Kinder-App ohne Werbung ist kein Luxus – klicksafe nennt den Verzicht auf Werbung und auf kostenpflichtige Erweiterungen als Kriterium für kindgerechte Apps.
  • Apple verlangt für Apps in der Kids Category: keine Links nach draußen, keine Kaufgelegenheiten außer hinter einer Elternsperre, grundsätzlich keine Werbung und keine Analyse-Dienste von Dritten.
  • Google Play erlaubt in Apps für Kinder nur selbstzertifizierte Werbe-SDKs und verbietet personalisierte, interessenbezogene Werbung sowie Remarketing.
  • Nach Artikel 28 DSA dürfen Online-Plattformen keine Werbung auf Grundlage von Profiling anzeigen, wenn sie hinreichende Gewissheit haben, dass der Nutzer minderjährig ist.
  • In-App-Käufe lassen sich auf iPhone und Android abschalten; die Verbraucherzentrale beschreibt beide Wege.

Kinder-App ohne Werbung: Was die Stores schon verbieten

Vieles von dem, was Eltern befürchten, ist in Kinder-Apps offiziell gar nicht erlaubt. Apple schreibt in seinen App Store Review Guidelines für die Kids Category, dass solche Apps keine Links nach draußen, keine Kaufgelegenheiten und keine anderen Ablenkungen enthalten dürfen, außer in einem eigenen Bereich hinter einer Elternsperre. Analyse- und Werbedienste von Dritten sollen nicht enthalten sein; Ausnahmen sind eng gefasst und verlangen etwa, dass keine Kennungen und keine identifizierbaren Daten über Kinder übertragen werden.

Google Play verlangt für Apps, die sich an Kinder richten, dass Werbung nur über selbstzertifizierte Anzeigen-SDKs ausgeliefert wird. Personalisierte, interessenbezogene Werbung und Remarketing sind gegenüber Kindern untersagt, ebenso Anzeigen für Alkohol, Tabak, Glücksspiel oder Dating.

Dazu kommt seit dem Digital Services Act eine Regel, die für alle Plattformen gilt: Nach Artikel 28 DSA darf keine Werbung auf Grundlage von Profiling angezeigt werden, wenn der Anbieter hinreichende Gewissheit hat, dass der Nutzer minderjährig ist. Profiling heißt: automatisiertes Auswerten von Daten, um Verhalten zu analysieren oder vorherzusagen.

Die Regeln sind besser als ihr Ruf. Was fehlt, ist jemand, der im Einzelfall nachsieht – und das bist du.

Warum kostenlos nicht gratis ist

klicksafe weist darauf hin, dass man bei kostenlosen Apps häufig mit persönlichen Daten bezahlt, und empfiehlt, vor dem Download die Zugriffsrechte und die Geschäftsbedingungen zu prüfen.

Die zweite Variante sind Käufe in der App. Die Verbraucherzentrale beschreibt, wie schnell sich viele kleine Beträge summieren – besonders wenn Zahlungsdaten auf dem Gerät hinterlegt sind und Spiele mit virtuellen Münzen arbeiten, deren Wert sich kaum noch in Euro übersetzen lässt. Google verlangt von Entwicklern ausdrücklich eine klare Unterscheidung zwischen Spielwährung und echtem Geld.

Wichtig wird das früher, als viele denken: Laut KIM-Studie 2024 besitzt knapp die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen ein eigenes Gerät. Ab dann entscheiden die Einstellungen auf diesem Gerät, nicht die auf deinem.

Eine Hand hält ein Handy mit leerem Bildschirm in einem Flur, dahinter warme Lichter
Foto: Jakub Żerdzicki / Unsplash

Fünf Fragen vor dem Download

1. Wie verdient die App Geld? Steht nirgends ein Preis und keine Werbung, bleibt meist nur: Daten. Eine App, die ihr Geschäftsmodell nicht erklärt, hat eines.

2. Welche Berechtigungen will sie? Eine Rechen-App braucht kein Mikrofon, kein Adressbuch und keinen Standort. Im App Store steht unter „App-Datenschutz“, was erhoben wird, bei Google Play unter „Datensicherheit“.

3. Gibt es Käufe in der App? Beide Stores weisen das in der Beschreibung aus – bei Apple als „In-App-Käufe“, bei Google als „Enthält Werbung“ beziehungsweise „In-App-Käufe“.

4. Braucht mein Kind ein eigenes Konto? Nach Artikel 8 DSGVO können Kinder in Deutschland erst mit sechzehn selbst in die Verarbeitung ihrer Daten einwilligen. Je weniger eigene Konten und Mail-Adressen, desto einfacher.

5. Kommt man wieder heraus? Löschen des Kontos und der Daten sollte in der App selbst möglich sein, nicht nur per E-Mail an den Anbieter.

In-App-Käufe abschalten – so geht es

Egal wie gut die App ist: Die Sperre auf dem Gerät ist die zuverlässigere Lösung. Die Verbraucherzentrale beschreibt beide Wege.

GerätWo du es findest
iPhone, iPadEinstellungen → Bildschirmzeit → Beschränkungen → Käufe im iTunes & App Store
AndroidPlay Store → Profil → Einstellungen → Authentifizierung → Für Käufe ist eine Authentifizierung erforderlich

Dazu passt, Zahlungsdaten nicht dauerhaft im Store zu hinterlegen. Guthabenkarten sind für Kinder oft die ruhigere Variante, weil der Betrag begrenzt ist.

Was eine werbefreie App nicht automatisch ist

Keine Werbung ist ein gutes Zeichen, aber kein Gütesiegel. Eine App kann werbefrei sein und trotzdem viel über dein Kind speichern, es täglich mit Benachrichtigungen ziehen oder mit Spielmechaniken arbeiten, die zum Weitermachen drängen – Serien, die nicht abreißen dürfen, Punktestände im Vergleich mit anderen, täglich ablaufende Belohnungen.

Umgekehrt gilt: Eine App, die Geld kostet, muss nicht besser sein. Entscheidend ist, ob du in zwei Minuten verstehst, wer womit Geld verdient und welche Daten dafür nötig sind. Wie viel Zeit am Bildschirm überhaupt in Ordnung ist, steht in Bildschirmzeit ohne Streit; worauf es bei Punkten und Sternen ankommt, in Belohnungssystem für Kinder.

Wie Fleißstern es hält

In Fleißstern gibt es keine Werbung, kein Tracking und keine Weitergabe von Daten. In der Kinderansicht gibt es nichts zu kaufen und nichts anzuklicken, was aus der App hinausführt: Premium kaufst du als Elternteil über den App Store oder über Google Play, und zurück in die Elternansicht geht es nur mit der Eltern-PIN. Ranglisten gegen fremde Kinder gibt es nicht.

Für ein Kind ist die App kostenlos, mit Aufgaben, Erinnerungen, Sternen, Belohnungen und Statistik. Premium kostet Geld, weil der Server Geld kostet – das ist das ganze Geschäftsmodell. Konto und Familie liegen auf einem Server in Deutschland, die Handys der Kinder brauchen kein eigenes Konto, und löschen könnt ihr alles in der App selbst.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich eine Kinder-App ohne Werbung?

In beiden Stores steht es in der Beschreibung: Bei Google Play weist der Hinweis „Enthält Werbung“ darauf hin, bei Apple findest du unter „App-Datenschutz“, welche Daten erhoben werden, und in der Produktseite, ob es In-App-Käufe gibt. Fehlt beides und ist die App kostenlos, lohnt die Frage, womit sie Geld verdient.

Sind Apps für Kinder in den Stores besonders geprüft?

Teilweise. Apple verlangt für die Kids Category eigene Regeln, etwa keine Links nach draußen und keine Kaufgelegenheiten außer hinter einer Elternsperre. Google Play erlaubt in Apps für Kinder nur zertifizierte Werbe-SDKs und verbietet personalisierte Werbung. Eine inhaltliche Empfehlung ist das trotzdem nicht.

Wie verhindere ich versehentliche Käufe meines Kindes?

Über die Geräteeinstellungen: Bei iPhone und iPad unter Bildschirmzeit und Beschränkungen, bei Android über die Authentifizierung im Play Store. Die Verbraucherzentrale beschreibt beide Wege. Zusätzlich hilft es, keine Zahlungsdaten dauerhaft hinterlegt zu lassen.

Darf eine App Daten meines Kindes verarbeiten?

Nur mit gültiger Rechtsgrundlage. Nach Artikel 8 DSGVO können Kinder in Deutschland erst mit sechzehn Jahren selbst einwilligen, darunter müssen die Eltern zustimmen. Je weniger eine App erhebt, desto weniger müsst ihr prüfen.

Quellen

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