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Fleißstern

Wenn Kinder trödeln: Warum Zeit für sie anders tickt

„Ich komm ja gleich“ – und zehn Minuten später steht immer noch ein Socken-Fuß im Flur. Warum Kinder Zeit anders erleben und was beim Losgehen wirklich hilft.

· 6 Min. Lesezeit

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Stell dir einen Samstagvormittag vor. Um zehn wollt ihr bei Oma sein, es ist 9:52 Uhr, und dein Kind steht im Flur: ein Schuh am Fuß, der andere in der Hand. Gerade erzählt es dir sehr ausführlich von einem Käfer im Treppenhaus.

„Wir müssen los“, sagst du. Dein Kind nickt freundlich und erzählt weiter. Für dich vergeht gerade wertvolle Zeit. Für dein Kind passiert gerade etwas Wichtiges.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trödeln ist selten Absicht: Mit Angaben wie „in zehn Minuten“ können kleine Kinder noch wenig anfangen.
  • Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät, das Ende einer Spielzeit ein paar Minuten vorher anzukündigen.
  • Verlässliche Tagesabläufe helfen, weil dein Kind weiß, was kommt und wann es weiterspielen darf.
  • Aufforderungen wirken besser, wenn du hingehst, Blickkontakt herstellst und nur eine Sache auf einmal sagst.
  • Zeit lässt sich sichtbar machen: mit einer Eieruhr, einem Lied oder einem Ablauf zum Abhaken.

Warum trödeln Kinder?

Trödeln heißt aus Erwachsenensicht: Es dauert länger, als es müsste. Aus Kindersicht ist meistens etwas anderes los. Dein Kind ist in sein Spiel vertieft, oder der Weg von der Socke zum Schuh führt an einer sehr interessanten Stelle im Teppich vorbei.

Dazu kommt, dass Zeit etwas Abstraktes ist. Zu Zweijährigen schreibt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), dass sie Zeitangaben noch nicht verstehen. Die Uhr lesen lernen Kinder in der Regel erst in der Grundschule – und auch dann sagt „eine Viertelstunde“ wenig darüber, wie lang sich das anfühlt.

Und ein Teil des Trödelns ist schlicht nötig. Die Psychologin Elke Leger schreibt im IFP-Familienhandbuch, Eltern sollten akzeptieren, dass Langeweile dazugehört: Aus ihr entstehen eigene Ideen. Nicht jeder langsame Nachmittag ist ein Problem.

Wie sagt man Kindern, wie viel Zeit noch ist?

Hilfreich sind Ansagen, die an etwas hängen, das dein Kind selbst sehen oder hören kann:

StattLieber
„Wir müssen gleich los.“„Noch zwei Mal rutschen, dann ziehen wir die Schuhe an.“
„Beeil dich, es ist schon spät.“„Ich stelle die Eieruhr auf fünf Minuten. Wenn sie klingelt, gehen wir.“
„In einer Viertelstunde gibt es Essen.“„Wenn das Hörspiel zu Ende ist, gibt es Essen.“

Der gemeinsame Nenner: Es gibt einen erkennbaren Schlusspunkt. Dein Kind muss nicht raten, und du musst nicht dreimal nachfragen.

Was hilft beim Übergang?

Vorher ankündigen. Das BIÖG rät, ein paar Minuten vorher zu sagen, dass ihr gleich esst oder losgeht. Dann kann dein Kind sein Spiel selbst zu Ende bringen, statt mittendrin herausgerissen zu werden. Auch der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Klaus Fischer nennt im IFP-Familienhandbuch fehlende Vorwarnzeiten als klassische Falle.

Den Übergang weich machen. Das BIÖG schlägt fließende Wechsel vor: Das Spielzeugauto darf noch bis in die Garage, oder der Hase hat auch Hunger und darf mitessen. Das klingt albern und spart viel Streit.

Hingehen statt rufen, eine Sache auf einmal. Eine Aufforderung aus der Küche kommt im Kinderzimmer oft gar nicht an, und „Schuhe, Jacke, Mütze, und wo ist dein Rucksack?“ ist eine ziemliche Liste. Der ADHS-Elterntrainer der AOK rät, immer nur eine Aufforderung zu geben und dann zu schauen, ob sie ankommt.

Sagen, was sein soll. Fischer rät zu positiven Anweisungen statt Verboten und dazu, in der Nähe zu bleiben, bis dein Kind die Aufforderung umsetzt – und nicht gleich wieder wegzugehen. Leere Drohungen nennt er ebenfalls unter den Fallen: „Dann gehe ich eben ohne dich“ wirkt genau einmal.

„Zehn Minuten“ ist für ein Kind keine Zeitangabe, sondern ein Gefühl.

Eine Sanduhr mit Messingrahmen steht auf einem Holztisch, der Sand rieselt nach unten
Foto: Towfiqu barbhuiya / Unsplash

Wie macht man Zeit für Kinder sichtbar?

Eieruhr oder Sanduhr. Ein Gerät, das tickt und klingelt, übernimmt die Rolle des Mahners. Nicht du sagst, dass die Zeit um ist, sondern die Uhr.

Ein Lied als Maßeinheit. „Bis das Lied zu Ende ist“ verstehen schon Kindergartenkinder – fürs Zähneputzen, Anziehen oder Aufräumen reicht das oft.

Der Ablauf statt der Uhr. Wichtiger als Uhrzeiten ist eine Reihenfolge, die jeden Tag gleich bleibt. Verlässliche Abläufe zeigen deinem Kind außerdem: Nach dem Essen geht das Spiel weiter. Wer das weiß, hört leichter auf. Wie das morgens aussehen kann, steht im Beitrag Morgenroutine mit Kindern, für die ganze Woche im Wochenplan für Kinder.

Was tun, wenn es trotzdem dauert?

  • Den Engpass suchen. Hakt es jeden Tag an derselben Stelle? Oft ist es nicht „alles“, sondern das Anziehen oder der Weg aus dem Bett.
  • Vorziehen, was vorziehbar ist. Ranzen, Kleidung und Brotdose am Abend zu erledigen, nimmt dem Morgen die halbe Aufregung.
  • Die Reihenfolge ändern. Manchmal hilft schon, das Anziehen vor das Frühstück zu legen statt danach.
  • Später reden, nicht mittendrin. Grundsatzgespräche gehören laut ADHS-Elterntrainer nicht in die angespannte Situation, sondern in einen ruhigen Moment danach. Mehr dazu im Beitrag Wenn Kinder nicht hören.
  • Weniger verlangen. Eine Sache, die verlässlich klappt, bringt mehr als fünf, über die ihr täglich streitet.

Hat dein Kind über längere Zeit auch sonst große Mühe, anzufangen, dabeizubleiben oder sich zu konzentrieren, lohnt ein Gespräch in der kinderärztlichen Praxis oder einer Erziehungsberatungsstelle – nicht, weil Trödeln eine Krankheit wäre, sondern weil sich andere Ursachen so am ehesten erkennen lassen.

Wie Fleißstern das Tempo aus dem Flur nimmt

In Fleißstern legst du die Schritte einmal an, die jeden Tag anstehen, sortiert nach morgens, nachmittags und abends. Dein Kind sieht in der Kinderansicht nur, was heute dran ist, hakt selbst ab und sieht den Ring, der sich mit jeder erledigten Aufgabe weiter füllt. Nicht du erinnerst an den nächsten Schritt, sondern die Liste.

Wer möchte, gibt einer Aufgabe eine feste Uhrzeit mit Erinnerung. Und in der Statistik siehst du nach ein paar Wochen, an welcher Stelle es regelmäßig hakt.

Häufige Fragen

Warum trödelt mein Kind ständig?

Meist steckt keine Absicht dahinter. Kinder sind ins Spiel vertieft und können mit Zeitangaben noch wenig anfangen – das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit weist darauf für Zweijährige ausdrücklich hin. Hilfreicher als Antreiben sind feste Abläufe und Ankündigungen, die an etwas Sichtbares gebunden sind.

Ab wann verstehen Kinder Zeitangaben wie „zehn Minuten“?

Das entwickelt sich nach und nach und ist von Kind zu Kind verschieden. Die Uhr lesen lernen Kinder in der Regel erst in der Grundschule, und auch danach ist eine Viertelstunde schwer einzuschätzen. Im Alltag funktionieren deshalb Eieruhr, Sanduhr, ein Lied oder eine feste Reihenfolge oft besser als Minutenangaben.

Wie kündige ich das Ende einer Spielzeit an, ohne dass es Streit gibt?

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, ein paar Minuten vorher anzukündigen, dass ihr gleich esst oder losgeht, und den Übergang fließend zu gestalten: Das Spielzeugauto darf noch in die Garage. Wichtig ist außerdem, dass dein Kind weiß, dass es später weiterspielen darf.

Hilft es, aus dem Anziehen ein Wettrennen zu machen?

Als Abwechslung an einem einzelnen Tag spricht nichts dagegen. Als Dauerlösung nutzt es sich ab, und bei Geschwistern wird schnell ein Wettkampf daraus. Verlässlicher sind eine feste Reihenfolge, ein sichtbarer Schlusspunkt und genug Puffer.

Quellen

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