Zum Inhalt springen
Fleißstern

Zähneputzen ohne Theater: So wird es zur Gewohnheit

Abends um acht steht ihr im Bad, die Zahnbürste in der Hand, und dein Kind presst die Lippen zusammen. Was dabei hilft und bis wann Eltern nachputzen sollten.

· 5 Min. Lesezeit

WhatsAppFacebookPinterestTelegramE-Mail

Stell dir vor, es ist 19:20 Uhr. Schlafanzug an, Gute-Nacht-Buch liegt bereit, nur noch die Zähne. Du greifst zur Bürste, und dein Kind presst die Lippen zusammen wie ein Tresor.

Fünf Minuten später hast du gebettelt, gedroht und schließlich gesungen. Geputzt ist ungefähr die Hälfte, und ihr seid beide genervt. Dabei geht es um etwas, das jeden Tag zweimal ansteht – also um sehr viele Abende.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt, die Zähne etwa zwei Minuten lang zu putzen, mindestens zweimal täglich: nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen.
  • Die KAI-Methode geht in drei Schritten: Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen.
  • Mit drei, vier Jahren können Kinder laut BIÖG schon gut selbst nach KAI putzen – Eltern putzen trotzdem bis ins Schulalter nach, besonders abends.
  • Ein fester Platz im Abendablauf nimmt mehr Streit heraus als jede Diskussion vor dem Spiegel.
  • Zur Fluoridanwendung und zu den Früherkennungsterminen Z1 bis Z6 berät die kinder- oder zahnärztliche Praxis.

Warum wehren sich Kinder gegen das Zähneputzen?

Zähneputzen vereint ziemlich viel von dem, was Kinder nicht mögen: Jemand fasst ihnen in den Mund, das Spiel wird unterbrochen, und einen sichtbaren Nutzen gibt es nicht. Ein Kind, das gerade eine Höhle baut, hat keinen Grund, das Ganze gut zu finden.

Dazu kommt der Zeitpunkt. Abends ist bei vielen Kindern die Geduld aufgebraucht, und genau dann soll die gründlichste Runde stattfinden. Das ist kein Erziehungsfehler, sondern eine ungünstige Kombination – und genau deshalb lohnt es sich, am Ablauf zu arbeiten statt am Kind.

Wie oft und wie lange sollten Kinder Zähne putzen?

Das BIÖG empfiehlt, etwa zwei Minuten zu putzen, mindestens zweimal am Tag: nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen. Beginnen sollte die regelmäßige Zahnpflege schon beim ersten Milchzahn – sorgfältig, aber ohne Druck auf das Kind.

Weitere Empfehlungen des BIÖG für den Alltag: eine altersgerechte, weiche Bürste, eine geschmacksneutrale Zahncreme und eine Menge, die Eltern dosieren. Süße Getränke bleiben besser weg, Wasser ist die bessere Wahl, und Süßes gibt es eher selten und zu den Mahlzeiten statt zwischendurch. Welche Fluoridanwendung für dein Kind passt, besprichst du am besten in der kinder- oder zahnärztlichen Praxis; die kostenlosen Früherkennungstermine Z1 bis Z6 können schon zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat beginnen.

Was ist die KAI-Methode?

KAI ist eine feste Reihenfolge, damit keine Fläche vergessen wird. Laut BIÖG können Kinder sie mit drei, vier Jahren schon gut selbst anwenden.

SchrittWoWie
KKauflächenkurze Hin- und Herbewegungen auf allen Kauflächen
AAußenflächenZähne zusammenbeißen, kreisende Bewegungen von der Mitte nach rechts und links
IInnenflächenkleine Kreis- oder Drehbewegungen, von Rot nach Weiß – also vom Zahnfleisch zum Zahn

Drei Schritte sind für Kinder greifbarer als „einmal überall“. Und sie geben dem Putzen ein Ende: Nach dem I ist Schluss.

Bis wann müssen Eltern nachputzen?

Bis ins Schulalter, und zwar an allen Zahnflächen – besonders abends. Das empfiehlt das BIÖG ausdrücklich, auch wenn das Kind vorher schon selbst geputzt hat. Selbst putzen und Nachputzen sind also keine Alternativen, sondern zwei Schritte.

Im Alltag hilft es, daraus eine feste Abfolge zu machen: erst dein Kind allein, dann du. Wer diesen zweiten Teil jeden Abend gleich handhabt, muss ihn nicht jeden Abend neu verhandeln.

Mehrere bunte Zahnbürsten aus Kunststoff und Holz stehen in einem weißen Keramikbecher neben einer kleinen Pflanze
Foto: Towfiqu barbhuiya / Unsplash

Was hilft, wenn dein Kind nicht will?

Fester Platz im Ablauf. Zähneputzen ist keine Verhandlungssache, sondern ein Schritt zwischen Schlafanzug und Vorlesen. Wie so ein Abend aussehen kann, steht im Beitrag Abendroutine mit Kindern.

Vorher ankündigen. Mitten aus dem Spiel gerissen zu werden, macht niemanden kooperativer. Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Klaus Fischer nennt im IFP-Familienhandbuch fehlende Vorwarnzeiten als klassische Falle: „In fünf Minuten putzen wir Zähne“ kostet nichts und spart oft den halben Streit.

Nicht zu spät. Wenn das Putzen regelmäßig in die müdeste Viertelstunde fällt, zieh es vor – zum Beispiel vor das Vorlesen statt danach.

Etwas zu wählen geben. Welche Zahnbürste, welches Lied, ob im Stehen oder auf deinem Schoß: Die Frage, ob geputzt wird, steht nicht zur Wahl, vieles andere schon.

Zeit hörbar machen. Zwei Minuten sind für ein Kind lang. Ein Lied, eine Sanduhr oder eine App mit Timer beenden das Putzen, ohne dass du es tun musst. Mehr dazu im Beitrag Wenn Kinder trödeln.

Spielerisch statt mit Druck. Das BIÖG rät, Kinder auf spielerische Weise mit der Zahnpflege vertraut zu machen. Der Bär wird zuerst geputzt, dein Kind putzt bei dir, ihr putzt gleichzeitig vor demselben Spiegel.

Ruhig bleiben, wenn es kracht. Ein Abend, an dem nur die Hälfte geputzt ist, ist kein Drama. Ein Abend, an dem alle geschrien haben, macht den nächsten schwerer.

Nicht jeder Abend muss gut laufen. Aber jeder Abend sollte gleich ablaufen.

Wie Fleißstern das Zähneputzen begleitet

„Zähne putzen“ ist in Fleißstern schon als Vorlage angelegt – morgens und abends. Du legst die Aufgabe einmal an, und dein Kind sieht sie in der Kinderansicht jeden Tag dort, wo sie hingehört, hakt selbst ab und sieht die Sterne dazukommen. Wer möchte, gibt der Aufgabe eine feste Uhrzeit mit Erinnerung.

Sterne sind dabei kein Ersatz fürs Nachputzen und kein Handel am Waschbecken. Sie machen sichtbar, was schon geschafft ist. Wie Belohnungen motivieren, ohne zu schaden, liest du im Beitrag Belohnungssystem für Kinder.

Häufige Fragen

Wie oft sollten Kinder Zähne putzen?

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt mindestens zweimal täglich, nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen, jeweils etwa zwei Minuten. Mit der regelmäßigen Zahnpflege sollte man schon beim ersten Milchzahn beginnen.

Ab wann können Kinder allein Zähne putzen?

Die KAI-Methode können Kinder laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit mit drei, vier Jahren schon gut selbst anwenden. Allein putzen heißt aber nicht fertig putzen: Eltern sollten bis ins Schulalter alle Zahnflächen nachputzen, besonders abends.

Was tun, wenn das Kind sich gegen das Zähneputzen wehrt?

Hilfreich ist ein fester Platz im Abendablauf, eine Ankündigung ein paar Minuten vorher und ein Zeitpunkt, an dem dein Kind noch nicht völlig erschöpft ist. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät außerdem, Kinder spielerisch mit der Zahnpflege vertraut zu machen und keinen Druck aufzubauen.

Wie geht die KAI-Methode?

KAI steht für Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen. Zuerst werden alle Kauflächen mit kurzen Hin- und Herbewegungen geputzt, dann die Außenflächen bei zusammengebissenen Zähnen mit kreisenden Bewegungen und zuletzt die Innenflächen mit kleinen Kreisen von Rot nach Weiß, also vom Zahnfleisch zum Zahn.

Quellen

Hilfreich? Teile den Artikel mit anderen Eltern.

WhatsAppFacebookPinterestTelegramE-Mail