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Fleißstern

Hausaufgaben ohne Streit: begleiten statt kontrollieren

Der Bleistift kreist, die Tränen kommen, und aus zehn Minuten Rechnen wird ein Nachmittag voller Streit. Was die Forschung über gute Hilfe sagt und was entlastet.

· 6 Min. Lesezeit

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Stell dir vor, es ist Dienstag, kurz nach vier. Dein Sohn sitzt seit einer halben Stunde vor sechs Rechenaufgaben, der Bleistift kreist, die Radierkrümel wachsen. Du erklärst die Aufgabe zum dritten Mal, er schiebt das Heft weg: „Du erklärst das falsch.“

Zehn Minuten später weint er, und du bist lauter geworden, als du wolltest. Morgen wartet die nächste Seite.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr Hilfe ist nicht automatisch besser: In einer Studie hing häufige Hilfe der Eltern mit einer schwächeren Leistungsentwicklung zusammen, als unterstützend erlebte Hilfe dagegen mit einer besseren.
  • Hilfreich ist ein gemeinsam vereinbarter Rahmen: eine Pause nach der Schule, eine feste Anfangszeit und ein ruhiger Arbeitsplatz.
  • In Nordrhein-Westfalen etwa sollen Hausaufgaben an Schulen ohne gebundenen Ganztag in Klasse 1 und 2 in 30 Minuten und in Klasse 3 und 4 in 45 Minuten zu schaffen sein, ohne fremde Hilfe.
  • Braucht ein Kind regelmäßig viel Hilfe, ist das eine wichtige Rückmeldung für die Lehrkraft.
  • Fällt schon der Anfang schwer, rät das IFP-Familienhandbuch zu einer kleinen Belohnung fürs Anfangen, nicht nur fürs Fertigwerden.

Wie viel sollten Eltern bei den Hausaufgaben helfen?

Die Forschung kommt zu einem überraschenden Ergebnis. In einer Längsschnittstudie, die 1.685 Kinder der sechsten Klasse über längere Zeit begleitete, hing häufige Hilfe der Eltern mit einer schwächeren Leistungsentwicklung zusammen. Hilfe, die die Kinder als unterstützend erlebten, war dagegen mit einer besseren Entwicklung verbunden, als aufdringlich erlebte Hilfe mit einer schlechteren (Moroni u. a., 2015).

Eine Metaanalyse, also eine Auswertung vieler Einzelstudien, zeigt ein ähnliches Bild. Über 448 Studien hinweg hing die Beteiligung von Eltern an der Schule meist leicht positiv mit den Leistungen der Kinder zusammen. Die einzige Ausnahme war die Hilfe bei den Hausaufgaben: Sie hing leicht negativ mit den Leistungen zusammen (Barger u. a., 2019). Warum das so ist, lässt sich aus solchen Daten nicht sicher sagen.

Die Erziehungswissenschaftlerin Britta Kohler schreibt im Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP), dass ein Zuviel an Hilfe und vor allem ständige Einmischung und Kontrolle zu einer schlechteren Leistungsentwicklung führen. Eltern, die emotionalen Rückhalt geben und viel Selbstbestimmung einräumen, hätten dagegen Wesentliches geleistet. Und sie beruhigt: In der Grundschule haben Hausaufgaben im Durchschnitt nahezu keinen leistungssteigernden Effekt. Der Schulerfolg entscheidet sich also nicht an den Hausaufgaben.

Wann und wo klappen Hausaufgaben am besten?

  • Erst Pause, dann Heft. Das IFP-Familienhandbuch rät, nach dem Schultag genug Zeit für Bewegung einzuplanen und gemeinsam zu überlegen, welche Anfangszeit am besten passt.
  • Ein fester Platz. Hilfreich ist laut Familienhandbuch ein bequemer Arbeitsplatz mit genug Stauraum für die Unterlagen. Fällt die Konzentration schwer, schlägt der ADHS-Elterntrainer der AOK vor, den Schreibtisch aufzuräumen oder das Kind am Esstisch arbeiten zu lassen.
  • Bewegung zwischendurch. Die Initiative IN FORM nennt Bewegungspausen bei den Hausaufgaben als einfache Möglichkeit, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen.
  • Eine Endzeit vereinbaren. Gegen Trödeln empfiehlt das Familienhandbuch eine Eieruhr oder eine feste Endzeit, die im Tagesplan steht.
Ein Mädchen hangelt sich im Herbst an einem Klettergerüst entlang, eine Frau schaut ihr zu
Foto: Ian Taylor / Unsplash

Wie hilft man, ohne zu übernehmen?

Erst selbst probieren lassen. Das IFP-Familienhandbuch rät, nicht zu früh einzugreifen, sondern das Kind zunächst allein arbeiten zu lassen.

Nah genug, aber nicht daneben. Wer anfangs am Tisch sitzt, kann den Abstand nach und nach vergrößern: erst nebenher lesen, später im Nebenraum ansprechbar sein.

Den Weg der Schule nutzen. Hilfe sollte sich laut Familienhandbuch auf die Lösungswege beschränken, die in der Schule besprochen wurden. So muss dein Kind nicht zwischen zwei Erklärungen wählen.

Kritik sparsam, Lob konkret. Das Familienhandbuch empfiehlt, Kritik auf wenige wichtige Punkte zu begrenzen und für selbstständig gelöste Aufgaben zu loben. Wie Lob ankommt, liest du im Beitrag Kinder richtig loben.

Der Lehrkraft Bescheid geben. Musst du regelmäßig viel helfen, ist das laut Familienhandbuch eine wichtige Rückmeldung für die Schule.

Du musst die Lehrkraft nicht ersetzen. Es reicht, ansprechbar zu sein.

Was tun, wenn das Kind keine Hausaufgaben machen will?

Ermahnungen wie „Nun konzentrier dich doch endlich“ nutzen laut IFP-Familienhandbuch in der Regel nichts. Eher helfen eingeplante Pausen. Und wenn schon der Anfang schwerfällt, schlägt das Familienhandbuch eine kleine Belohnung fürs Anfangen vor, nicht nur fürs Fertigwerden.

Und wenn die vereinbarte Endzeit erreicht ist? Dann nimmt dein Kind laut Familienhandbuch mit in die Schule, was bis dahin nicht fertig ist. Sprecht so eine Regel am besten vorher mit der Lehrkraft ab, denn einen regelmäßigen Austausch über die Hausaufgaben empfiehlt das Familienhandbuch ohnehin. Wie Folgen ohne Strafen funktionieren, zeigt der Beitrag Wenn Kinder nicht hören.

Wie lange dürfen Hausaufgaben in der Grundschule dauern?

Genaue Vorgaben machen die Bundesländer. In Nordrhein-Westfalen gilt an Schulen ohne gebundenen Ganztag:

KlasseHausaufgaben pro Tag
1 und 2in 30 Minuten zu schaffen
3 und 4in 45 Minuten zu schaffen

Die Aufgaben sollen dort selbstständig ohne fremde Hilfe machbar sein, und Wochenenden und Feiertage bleiben hausaufgabenfrei. Wie es an eurer Schule geregelt ist, weiß die Lehrkraft.

Wie Fleißstern bei den Hausaufgaben hilft

Leg „Hausaufgaben“ in Fleißstern als Aufgabe für den Nachmittag an, von Montag bis Freitag und mit fester Uhrzeit. Dann kommt eine Erinnerung aufs Handy, und du musst nicht fragen, ob schon angefangen wurde. Für wichtige Aufgaben gibt es die Sterne erst nach deinem Okay.

Passend zum Tipp aus dem Familienhandbuch können Sterne statt Noten das Anfangen würdigen, etwa mit einer eigenen Aufgabe „Hausaufgaben angefangen“ für Kinder, denen der Start schwerfällt. Die Statistik zeigt nach ein paar Wochen, was regelmäßig liegen bleibt, als Gesprächsanlass und nicht als Bewertung.

Häufige Fragen

Sollten Eltern bei den Hausaufgaben helfen?

Ja, aber eher als Begleitung denn als Nachhilfe. In einer Studie mit 1.685 Sechstklässlern hing häufige Hilfe mit einer schwächeren Leistungsentwicklung zusammen, als unterstützend erlebte Hilfe dagegen mit einer besseren. Das IFP-Familienhandbuch rät, das Kind zuerst allein arbeiten zu lassen und nur mit den Lösungswegen aus der Schule zu helfen.

Wie lange dürfen Hausaufgaben in der Grundschule dauern?

Das regeln die Bundesländer. In Nordrhein-Westfalen sollen Hausaufgaben an Schulen ohne gebundenen Ganztag in Klasse 1 und 2 in 30 Minuten und in Klasse 3 und 4 in 45 Minuten zu schaffen sein. Die Regeln der eigenen Schule kennt die Lehrkraft.

Was tun, wenn das Kind keine Hausaufgaben machen will?

Hilfreich sind eine feste Anfangszeit nach einer Pause, ein ruhiger Arbeitsplatz und eingeplante Pausen. Fällt schon der Anfang schwer, schlägt das IFP-Familienhandbuch eine kleine Belohnung fürs Anfangen vor. Hält der Widerstand an, lohnt ein Gespräch mit der Lehrkraft.

Ab wann sollten Kinder Hausaufgaben allein machen?

Möglichst von Anfang an. In Nordrhein-Westfalen etwa sollen Hausaufgaben so gestellt sein, dass Kinder sie selbstständig ohne fremde Hilfe erledigen können. Das IFP-Familienhandbuch rät, anfangs in der Nähe zu bleiben und den Abstand dann nach und nach zu vergrößern.

Quellen

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