Kinder richtig loben: Was Lob bewirkt und wie es ankommt
„Super gemacht“ rutscht schnell heraus. Was Studien über Lob für Anstrengung und übertriebenes Lob zeigen und wie Anerkennung klingt, die bei Kindern ankommt.

Stell dir vor, dein Sohn kommt mit einem Bild in die Küche: „Guck mal.“ Du rührst gerade im Topf, schaust kurz hin und sagst: „Wow, super schön.“ Er bleibt stehen und fragt: „Was ist denn schön daran?“
Eigentlich eine gute Frage. Lob ist schnell gesagt, aber Kinder merken oft genau, ob jemand wirklich hingesehen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Lob und Anerkennung sind wichtig: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät, damit nicht zu geizen, aber angemessen zu loben.
- Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden, blieben in Experimenten nach einem Misserfolg eher dran als Kinder, die für ihre Intelligenz gelobt wurden.
- Übertriebenes Lob wie „unglaublich schön“ führte bei Kindern mit geringem Selbstwertgefühl dazu, dass sie sich seltener an schwierigere Aufgaben wagten.
- Lob wirkt laut einer Übersichtsarbeit vor allem dann gut, wenn es ehrlich ist, die Selbstbestimmung stärkt und ohne ständige Vergleiche auskommt.
- Nicht alle Studien kamen zu denselben Ergebnissen: Untersuchungen mit 624 Kindern, darunter eine Wiederholung des bekanntesten Experiments, fanden die Effekte größtenteils nicht.
Sollte man Kinder loben?
Ja, sagen Fachleute, nur nicht irgendwie. Das BIÖG schreibt, dass ständiges Kritisieren und Nörgeln ein Kind mürbe macht, und rät, nicht mit Lob und Anerkennung zu geizen. Zugleich empfiehlt es, angemessen zu loben, denn Kinder haben ein feines Gespür dafür, ob übertrieben, achtlos oder von Herzen gelobt wird.
Eine Metaanalyse, also eine Auswertung vieler Studien, fand: Positives Feedback stärkte im Schnitt das Interesse an einer Tätigkeit, bei Kindern allerdings weniger deutlich als bei Studierenden (Deci, Koestner & Ryan, 1999). Ob Lob hilft, schadet oder gar nichts bewirkt, hängt laut einer Übersichtsarbeit von mehreren Bedingungen ab (Henderlong & Lepper, 2002). Dem ADHS-Elterntrainer der AOK zufolge reicht dabei eine kurze Rückmeldung, Kinder müssen nicht „über den grünen Klee“ gelobt werden.
Personenlob oder Prozesslob: Was ist der Unterschied?
Personenlob bewertet das Kind selbst, etwa „Du bist so klug“. Prozesslob beschreibt, was es getan hat, etwa „Du hast verschiedene Wege ausprobiert, bis es geklappt hat“.
In sechs Experimenten lobten Forschende Fünftklässler entweder für ihre Intelligenz oder für ihre Anstrengung. Nach einem Misserfolg blieben die für Intelligenz gelobten Kinder weniger dran, hatten weniger Freude an den Aufgaben und schnitten schlechter ab. Sie hielten Intelligenz auch eher für eine feste Eigenschaft (Mueller & Dweck, 1998).
Ähnliches zeigte sich bei Fünf- und Sechsjährigen: Nach Lob für die eigene Person reagierten sie auf Rückschläge häufiger hilflos und gaben sich selbst die Schuld als nach Lob für ihr Vorgehen (Kamins & Dweck, 1999). Und in einer Langzeitstudie mit 53 Familien glaubten Kinder, deren Eltern sie mit ein bis drei Jahren häufiger für ihre Anstrengung gelobt hatten, mit sieben bis acht Jahren eher, dass man Fähigkeiten weiterentwickeln kann (Gunderson u. a., 2013).
Wo die Forschung an Grenzen stößt
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. In mehreren Studien mit insgesamt 624 Kindern zwischen 9 und 13 Jahren in China, darunter eine Wiederholung des Versuchs von 1998, zeigten sich bei Motivation und dem Umgang mit Misserfolgen kaum Unterschiede (Li & Bates, 2019). Zwei Metaanalysen fanden außerdem nur schwache Zusammenhänge zwischen der Überzeugung, Fähigkeiten seien veränderbar, und schulischen Leistungen sowie nur geringe Effekte von Programmen, die diese Überzeugung fördern sollen (Sisk u. a., 2018).
Beschreibendes Lob ist also kein Zaubertrick. Es ist aber eine ehrliche Rückmeldung, die zeigt, dass jemand hingesehen hat.
Kann man Kinder zu viel loben?
Übertriebenes Lob kann nach hinten losgehen. In einer Studie gaben Erwachsene gerade Kindern mit geringem Selbstwertgefühl besonders überschwängliches Lob, etwa „unglaublich schön“ statt „schön“. Bei diesen Kindern führte solches Lob in einem Experiment dazu, dass sie seltener schwierigere Aufgaben wählten, bei Kindern mit hohem Selbstwertgefühl war es umgekehrt (Brummelman u. a., 2014). Die Übersichtsarbeit von Henderlong und Lepper beschreibt, wann Lob die Motivation fördert: wenn es aufrichtig wirkt, Erfolg auf Dinge zurückführt, die ein Kind selbst beeinflussen kann, seine Selbstbestimmung stärkt, ohne ständige Vergleiche auskommt und erreichbare Erwartungen vermittelt.

So klingt Lob, das ankommt
| Statt | Lieber |
|---|---|
| „Du bist so schlau.“ | „Du bist drangeblieben, auch als die Aufgabe schwer war.“ |
| „Das ist das schönste Bild der Welt.“ | „Du hast ganz viele Blautöne gemischt. Erzählst du mir, was da passiert?“ |
| „Super.“ im Vorbeigehen | „Danke, dass du den Tisch gedeckt hast, ohne dass ich fragen musste.“ |
| „Du bist schneller als deine Schwester.“ | „Heute hast du die Schuhe zum ersten Mal ganz allein gebunden.“ |
Der ADHS-Elterntrainer rät außerdem, zeitnah zu loben und besonders dann, wenn ein Kind eine Aufgabe von sich aus übernommen hat. Er schlägt vor, abends gemeinsam zu besprechen, was tagsüber gut geklappt hat. Warum Vergleiche zwischen Geschwistern heikel sind, liest du im Beitrag Wenn Geschwister sich vergleichen.
Lob und Belohnung: Wo ist der Unterschied?
Lob ist eine Rückmeldung mit Worten oder Gesten. Eine Belohnung ist etwas, das ein Kind bekommt, etwa ein Sticker, ein Ausflug oder ein Privileg. In der Metaanalyse von Deci, Koestner und Ryan schwächten erwartete, greifbare Belohnungen die innere Motivation, während positives Feedback sie stärkte. Wann Belohnungen trotzdem sinnvoll sind, zeigt der Beitrag Belohnungssystem für Kinder.
Wie Fleißstern Anerkennung sichtbar macht
Sterne ersetzen kein Lob, aber sie machen sichtbar, was ein Kind geschafft hat. In der Kinderansicht füllt sich mit jeder erledigten Aufgabe ein Ring, und das Sterne-Konto zeigt jeden Stern mit Verlauf. Für spontane Hilfe kannst du Extra-Sterne von Hand vergeben oder einfach sagen, was dir aufgefallen ist.
Die Statistik zeigt für jedes Kind, was gut klappt. Das passt zum Tipp aus dem Elterntrainer: Nehmt euch abends ein paar Minuten und sprecht darüber, was heute gelungen ist.
Häufige Fragen
Sollte man Kinder loben?
Ja. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, nicht mit Lob und Anerkennung zu geizen, aber angemessen zu loben, weil Kinder ein feines Gespür für übertriebenes oder achtloses Lob haben. Hilfreich ist Lob, das ehrlich ist und beschreibt, was ein Kind getan hat.
Kann man Kinder zu viel loben?
Übertriebenes Lob kann nach hinten losgehen. In einer Studie wählten Kinder mit geringem Selbstwertgefühl nach überschwänglichem Lob seltener schwierigere Aufgaben. Eine kurze Rückmeldung reicht, schreibt der ADHS-Elterntrainer der AOK.
Wie lobt man Kinder richtig?
Am besten konkret und bezogen auf das, was das Kind getan hat, statt auf seine Eigenschaften. Statt „Du bist so schlau“ passt eher „Du bist drangeblieben, auch als es schwer war“. Hilfreich sind außerdem zeitnahes Lob, ehrliche Worte statt Superlative und der Verzicht auf Vergleiche mit anderen Kindern.
Was ist der Unterschied zwischen Lob und Belohnung?
Lob ist eine Rückmeldung in Worten oder Gesten, eine Belohnung etwas Greifbares wie ein Sticker, ein Ausflug oder ein Privileg. In einer Metaanalyse mit 128 Studien stärkte positives Feedback die innere Motivation, während erwartete, greifbare Belohnungen sie eher schwächten.
Quellen
- Mueller & Dweck (1998): Praise for intelligence can undermine children's motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology 75(1) – PubMed
- Kamins & Dweck (1999): Person versus process praise and criticism: implications for contingent self-worth and coping. Developmental Psychology 35(3) – PubMed
- Gunderson u. a. (2013): Parent praise to 1- to 3-year-olds predicts children's motivational frameworks 5 years later. Child Development 84(5) – PubMed
- Brummelman u. a. (2014): „That's not just beautiful – that's incredibly beautiful“: the adverse impact of inflated praise on children with low self-esteem. Psychological Science 25(3) – PubMed
- Henderlong & Lepper (2002): The effects of praise on children's intrinsic motivation: a review and synthesis. Psychological Bulletin 128(5) – PubMed
- Deci, Koestner & Ryan (1999): A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation. Psychological Bulletin 125(6) – PubMed
- Li & Bates (2019): You can't change your basic ability, but you work at things, and that's how we get hard things done. Journal of Experimental Psychology: General 148(9) – PubMed
- Sisk u. a. (2018): To What Extent and Under Which Circumstances Are Growth Mind-Sets Important to Academic Achievement? Two Meta-Analyses. Psychological Science 29(4) – PubMed
- Kinder gut erziehen – kindergesundheit-info.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
- Wie können Sie loben? (ADHS-Elterntrainer) – AOK-Bundesverband