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Fleißstern

Haushaltsaufgaben für Kinder: Was passt zu welchem Alter?

Erst wollen Kinder unbedingt mithelfen, ein paar Jahre später kommt oft nur noch „Gleich“. Welche Aufgaben in welchem Alter passen und wie Mithelfen zur Gewohnheit wird.

· 6 Min. Lesezeit

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Ein Junge kocht am Herd, seine Mutter schaut ihm lächelnd zu, vorn im Bild steht seine Schwester
Foto: volant / Unsplash

Stell dir einen ganz normalen Dienstagabend vor. Die Nudeln kochen gleich über, auf dem Esstisch liegen noch Stifte und Bastelpapier, und auf die Frage, wer kurz helfen kann, kommt aus dem Kinderzimmer ein langgezogenes „Gleich“. Am Ende räumst du den Tisch selbst ab, geht ja schneller.

Ein paar Jahre vorher war es genau umgekehrt. Da wollte dasselbe Kind unbedingt den Staubsauger schieben und beim Kochen „richtig“ mitmachen. Mit so viel Hilfe dauerte damals alles doppelt so lange.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon Zwei- bis Dreijährige können kleine Aufgaben übernehmen, etwa Spielsachen in eine Kiste räumen oder Sockenpaare suchen.
  • Grundschulkinder schaffen deutlich mehr, zum Beispiel Tisch abwischen, Spülmaschine ein- und ausräumen, beim Kochen helfen und die eigene Brotdose packen.
  • In Deutschland sind Kinder, die im Elternhaus leben, nach § 1619 BGB verpflichtet, ihren Kräften entsprechend im Haushalt mitzuhelfen.
  • Am besten klappt Mithelfen mit wenigen, konkret beschriebenen Aufgaben, festen Zeiten und einer Liste zum Abhaken.
  • Das Deutsche Jugendinstitut rät, die übliche Mithilfe im Haushalt nicht mit dem Taschengeld zu verknüpfen.

Warum sollten Kinder im Haushalt helfen?

Natürlich geht es auch darum, dass nicht alles an den Erwachsenen hängen bleibt. Für Kinder steckt aber mehr darin: Laut Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP) erleben Kinder, die zum Funktionieren des Haushalts beitragen, Selbstwirksamkeit, und das stärkt ihr Selbstbewusstsein. Selbstwirksamkeit heißt, darauf zu vertrauen, dass man etwas aus eigener Kraft schaffen kann.

In einer US-Langzeitstudie mit knapp 10.000 Kindern schätzten Kinder, die im Jahr vor der ersten Klasse häufiger mithalfen, in der dritten Klasse ihre sozialen und schulischen Fähigkeiten und ihre Lebenszufriedenheit im Schnitt besser ein (White, DeBoer & Scharf, 2019). Eine australische Studie mit Angaben von 207 Eltern fand bei Kindern zwischen 5 und 13 Jahren Zusammenhänge zwischen Aufgaben wie dem Zubereiten einer Mahlzeit und dem Arbeitsgedächtnis sowie der Impulskontrolle (Tepper, Howell & Bennett, 2022). Beides sind Zusammenhänge, keine Beweise für Ursache und Wirkung.

Welche Aufgaben passen zu welchem Alter?

Die Tabelle orientiert sich an den Altersbeispielen der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (AACAP) und des IFP-Familienhandbuchs, ergänzt um typische Aufgaben aus dem Familienalltag. Sie ist ein Startpunkt, keine Messlatte.

AlterDas klappt oft schonGut zu wissen
2–3 JahreSpielsachen in die Kiste räumen, Sockenpaare suchen, Einkäufe mit auspacken, beim Abtrocknen helfenMitmachen ist wichtiger als das Ergebnis
4–5 JahreTisch decken, eigenes Geschirr zur Spüle bringen, Haustier mit füttern, Bett machen (nicht perfekt), Eier aufschlagenKurze Aufgaben mit klarem Ende
6–7 JahreTisch abwischen, saubere Wäsche einräumen, fegen, Pflanzen gießen, Schulranzen packenErst gemeinsam üben, dann allein
8–9 JahreSpülmaschine ein- und ausräumen, beim Kochen helfen, eigene Brotdose packen, Müll rausbringenFeste Zeiten helfen mehr als Erinnern
10–12 JahreBett frisch beziehen, Küche oder Bad putzen, im Garten helfen, einfache Gerichte kochenVerantwortung für einen ganzen Bereich

Dein Kind muss nicht alles aus seiner Altersgruppe können. Sucht lieber zwei, drei Aufgaben aus, die zu eurem Alltag passen.

Ein Mädchen gießt im Garten mit einer Metallgießkanne einen jungen Baum
Foto: Pedro Kümmel / Unsplash

Wie wird Mithelfen zur Gewohnheit?

Konkret statt allgemein. „Hilf mal mit“ ist schwer zu greifen, „Stell bitte die Teller in die Spülmaschine“ ist klar. Die AACAP rät zu genauen Absprachen und festen Abläufen wie „Aufräumen vor dem Abendessen“.

Erst zusammen, dann allein. Zeig eine neue Aufgabe ein paar Mal gemeinsam. Das IFP-Familienhandbuch empfiehlt, gerade kleine Kinder zunächst nur Teilschritte übernehmen zu lassen.

Nicht nachbessern. Wer das schief gemachte Bett sofort glattzieht, sendet schnell die Botschaft, es sei nicht gut genug gewesen. Das Familienhandbuch rät, nicht ständig zu korrigieren und kein perfektes Ergebnis zu erwarten.

Nicht perfekt, aber selbst gemacht: Darum geht es beim Mithelfen.

Klein anfangen. Ein, zwei feste Aufgaben reichen für den Start. Die Sozialpädagogin Beate Weymann schlägt im Familienhandbuch vor, dann Monat für Monat neue dazuzunehmen.

Wählen und tauschen. „Möchtest du lieber den Tisch decken oder die Blumen gießen?“ Weymann rät außerdem, die Aufgaben regelmäßig zu wechseln, damit alle mal mit jeder Aufgabe an der Reihe sind.

Sichtbar machen. Eine Liste zum Abhaken hat sich laut IFP-Familienhandbuch bewährt. Sie nimmt dir das ständige Erinnern ab und zeigt deinem Kind, was es schon geschafft hat.

Was tun, wenn das Kind keine Lust hat?

Die AACAP rät, erst einmal zu verstehen, woran es liegt: Ist die Aufgabe zu groß, der Zeitpunkt ungünstig oder der Tag einfach zu voll? Gleichzeitig empfiehlt sie, sich die Kämpfe gut auszusuchen, denn ein unordentliches Zimmer ist nicht das Ende der Welt.

Lieber eine Aufgabe verlässlich halten als an fünf Fronten gleichzeitig diskutieren. Wird der Streit darüber über längere Zeit immer größer, kann ein Gespräch in der Kinderarztpraxis helfen, andere Ursachen zu erkennen. Ob Belohnungen helfen, liest du im Beitrag Belohnungssystem für Kinder, und wie Taschengeld dazu passt, in Taschengeld, Sterne oder beides?

Wie Fleißstern beim Mithelfen hilft

Eine Liste zum Abhaken ist genau die Idee hinter Fleißstern. Du legst Aufgaben wie „Tisch decken“ einmal an, und die App holt sie an den richtigen Tagen wieder hervor: täglich, an bestimmten Wochentagen oder alle paar Tage. Dein Kind sieht in der Kinderansicht nur, was heute dran ist, hakt selbst ab und sieht sofort, wie viele Sterne dazugekommen sind.

Für wichtige Aufgaben gibt es die Sterne erst nach deinem Okay. Die Statistik zeigt, was regelmäßig liegen bleibt, als Anlass für ein Gespräch und nicht als Zeugnis.

Häufige Fragen

Ab wann sollten Kinder im Haushalt helfen?

Kleine Aufgaben sind schon ab etwa zwei Jahren möglich, zum Beispiel Spielsachen wegräumen oder Sockenpaare suchen. Laut IFP-Familienhandbuch wollen Kinder in diesem Alter oft ohnehin gern helfen. Empfohlen wird, mit kleinen Aufgaben zu beginnen und nach und nach neue dazuzunehmen.

Müssen Kinder im Haushalt helfen?

Ja, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Nach § 1619 BGB ist ein Kind, solange es zum elterlichen Haushalt gehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise im Haushalt mitzuhelfen. Im Alltag bringen klare Absprachen allerdings mehr als der Hinweis auf das Gesetz.

Wie viel sollten Kinder im Haushalt helfen?

Eine feste Stundenzahl nennen weder die AACAP noch das IFP-Familienhandbuch. Wichtig ist, dass die Aufgaben zum Alter und zu den Kräften des Kindes passen. Für den Anfang reichen ein bis zwei feste Aufgaben am Tag, die das Kind gut schafft.

Sollten Kinder für Hausarbeit Geld bekommen?

Für die übliche Mithilfe eher nicht. Das Deutsche Jugendinstitut rät, regelmäßige Mithilfe im Haushalt nicht mit dem Taschengeld zu verknüpfen. Für besondere Zusatzaufgaben, etwa umfangreiche Gartenarbeit, kann eine kleine, vorher vereinbarte Bezahlung getrennt vom Taschengeld sinnvoll sein.

Quellen

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