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Fleißstern

Familienregeln aufstellen, die im Alltag halten

Am Kühlschrank hängen sieben Regeln, an die sich niemand mehr erinnert. Wie aus guten Vorsätzen Regeln werden, die dein Kind mitträgt und die ihr durchhaltet.

· 6 Min. Lesezeit

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Stell dir einen Sonntagabend vor. Ihr sitzt am Tisch, jemand hat einen Stift geholt, und am Ende steht eine Liste mit acht Punkten: nicht streiten, Schuhe wegräumen, freundlich sein, Handy erst nach den Hausaufgaben, pünktlich zum Essen.

Am Mittwoch hängt der Zettel schief am Kühlschrank. Am Freitag erinnert sich niemand mehr an Punkt fünf. Das liegt selten am guten Willen und fast immer daran, dass es zu viele Regeln waren – und zu unklare.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weniger ist mehr: Der ADHS-Elterntrainer der AOK rät zu höchstens drei Regeln auf einmal.
  • Eine Regel muss so konkret sein, dass jeder sehen kann, ob sie eingehalten wurde.
  • Sie sollte so gewählt sein, dass dein Kind sie laut Elterntrainer zumindest in der Hälfte der Zeit schaffen kann.
  • Kinder haben nach der UN-Kinderrechtskonvention ein Recht darauf, dass ihre Meinung berücksichtigt wird – auch zu Hause.
  • Konsequenz heißt: Auf dasselbe Verhalten folgt dieselbe Reaktion, und zwar bei allen Erwachsenen.

Wozu überhaupt Regeln?

Regeln nehmen Entscheidungen aus dem Alltag heraus. Was einmal geklärt ist, muss nicht jeden Tag neu besprochen werden – und genau das entlastet beide Seiten. Die Sozialpädagogin Beate Weymann schreibt im IFP-Familienhandbuch, dass die Welt auf Kinder unübersichtlich wirkt und ihnen Grenzen Orientierung geben.

Der Haken: Regeln entlasten nur, wenn sie halten. Eine Regel, die jeden Abend neu verhandelt wird, ist keine Regel, sondern ein Gesprächsthema.

Wie viele Regeln sind sinnvoll?

Der ADHS-Elterntrainer der AOK empfiehlt höchstens drei Regeln auf einmal. Die Begründung ist praktisch: An wenige Regeln können Kinder sich leichter halten, und Eltern können sie leichter durchsetzen. Der Trainer trägt ADHS im Namen, seine Methoden sind laut AOK aber für alle Familien geeignet.

Ein zweiter Rat von dort ist mindestens so hilfreich: Wählt Regeln so, dass euer Kind sie zumindest in der Hälfte der Zeit einhalten kann. Eine Regel, an der es täglich scheitert, ist keine Regel, sondern eine Enttäuschungsmaschine.

Wie formuliert man eine Regel, die trägt?

Gute Regeln beschreiben Verhalten, nicht Haltung. „Freundlich sein“ lässt sich nicht überprüfen, „Wir warten, bis der andere ausgeredet hat“ schon.

StattLieber
„Schuhe ausziehen.“„Die Straßenschuhe werden immer vor der Wohnungstür ausgezogen.“
„Nicht so viel Filme gucken.“„Von 18 bis 18.30 Uhr darf ein Film laufen.“
„Räum dein Zimmer auf.“„Vor dem Abendessen kommen die Bausteine in die Kiste.“
„Sei nicht so laut.“„Nach acht wird im Flur leise gesprochen.“

Die Beispiele in der ersten und zweiten Zeile stammen sinngemäß aus dem ADHS-Elterntrainer. Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Klaus Fischer rät im IFP-Familienhandbuch außerdem, Regeln positiv zu formulieren – also zu sagen, was gelten soll, statt was verboten ist.

Eine Hand hängt einen von mehreren leeren gelben Klebezetteln an eine helle Wand
Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

Sollten Kinder bei den Regeln mitreden?

Ja, altersgemäß. Die Sozialpädagogin Ursula Winklhofer beschreibt im IFP-Familienhandbuch das Leitbild „Freiheit in Grenzen“: Eltern nehmen die Sicht des Kindes ernst, ermöglichen so viel eigene Entscheidung wie möglich und setzen zugleich altersgemäße, klare Grenzen. Sie verweist dabei auf die UN-Kinderrechtskonvention, in der das Recht auf Berücksichtigung der Meinung des Kindes (Artikel 12) und das Recht auf freie Meinungsäußerung (Artikel 13) stehen.

Mitreden heißt nicht mitentscheiden über alles. Ob abends Zähne geputzt wird, steht nicht zur Abstimmung. Wann, in welcher Reihenfolge und mit welcher Musik – darüber kann dein Kind sehr wohl etwas sagen. Und eine Regel, an der es mitgeschrieben hat, ist eben auch ein bisschen seine Regel.

So stellt ihr eure Regeln auf

  1. Sammelt, was gerade nervt. Jeder darf zwei Dinge nennen, Erwachsene auch.
  2. Sucht höchstens drei aus. Der Rest kommt später dran oder gar nicht.
  3. Formuliert jede Regel so, dass man sie sehen kann. Wer, was, wann.
  4. Schreibt sie auf. Die medizinische Leitlinie zur Bildschirmnutzung empfiehlt für Medienzeiten ausdrücklich, Regeln gemeinsam schriftlich festzuhalten. Für den Rest gilt dasselbe.
  5. Legt einen Termin zum Nachschauen fest. In vier Wochen schaut ihr, was hält und was nicht.

Drei Regeln, an die sich alle halten, sind mehr wert als zehn am Kühlschrank.

Was tun, wenn sich keiner daran hält?

Prüft zuerst die Regel, nicht das Kind. War sie zu groß, zu unklar oder zur falschen Tageszeit? Eine Regel darf umgeschrieben werden – am besten gemeinsam und nicht mitten im Streit.

Bleibt einheitlich. Weymann betont im Familienhandbuch: Auf dasselbe Verhalten muss dieselbe Reaktion folgen. Das gilt zwischen euch Erwachsenen genauso wie von Montag bis Sonntag.

Kündigt an, statt zu drohen. Leere Drohungen nennt Fischer unter den klassischen Fallen. Überlegt vorher, was passiert, wenn die Regel nicht eingehalten wird – und zwar etwas, das ihr auch wirklich tut. Was eine Konsequenz von einer Strafe unterscheidet, steht im Beitrag Wenn Kinder nicht hören.

Erwachsene gelten mit. Wenn beim Essen keine Handys auf dem Tisch liegen, dann eben keine. Kinder merken sehr genau, für wen eine Regel gilt.

Sagt es, wenn es klappt. Der Elterntrainer rät ausdrücklich, das Einhalten zu loben. Wie Anerkennung ankommt, liest du im Beitrag Kinder richtig loben.

Wie Fleißstern Regeln sichtbar hält

Viele Familienregeln sind im Kern wiederkehrende Aufgaben: Schuhe wegräumen, Tisch decken, Ranzen packen. In Fleißstern legst du sie einmal an – täglich, an bestimmten Wochentagen oder alle paar Tage – und dein Kind sieht in der Kinderansicht selbst, was heute dran ist, statt dass du erinnerst.

Für Regeln rund um Bildschirmzeit gibt es mit Premium „Sterne gegen Bildschirmzeit“: Die vereinbarte Zeit ist dort hinterlegt, statt jeden Abend neu verhandelt zu werden. Mehr dazu im Beitrag Bildschirmzeit ohne Streit.

Häufige Fragen

Wie viele Familienregeln sind sinnvoll?

Der ADHS-Elterntrainer der AOK rät zu höchstens drei Regeln auf einmal, weil Kinder sich an wenige Regeln leichter halten und Eltern sie leichter durchsetzen können. Kommt eine neue Regel dazu, sollte eine alte so selbstverständlich geworden sein, dass sie keine Aufmerksamkeit mehr braucht.

Wie formuliere ich eine Familienregel richtig?

So konkret, dass alle sehen können, ob sie eingehalten wurde. Statt „nicht so viel fernsehen“ also zum Beispiel: „Von 18 bis 18.30 Uhr darf ein Film laufen.“ Hilfreich ist außerdem, zu sagen, was gelten soll, statt was verboten ist.

Sollten Kinder bei Familienregeln mitbestimmen?

Altersgemäß ja. Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht darauf, dass ihre Meinung berücksichtigt wird. Das heißt nicht, dass alles zur Abstimmung steht: Bei manchen Regeln entscheiden Eltern, bei vielen Einzelheiten kann das Kind mitreden – und hält sich dann meist auch leichter daran.

Was tun, wenn sich niemand an die Regeln hält?

Meist ist die Regel das Problem, nicht der gute Wille: zu viele auf einmal, zu vage oder zu schwer. Prüft sie in einem ruhigen Moment gemeinsam, reduziert auf höchstens drei und überlegt vorher, was bei Nichteinhaltung passiert – und zwar etwas, das ihr auch wirklich umsetzt.

Quellen

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